Hilfe bei Bildung für Randgruppen

Seit 1998 – also seit 20 Jahren – unterstützt der Verein Kinderhilfe Nepal in Mitterfels kontinuierlich Bedürftige, vor allem Kinder, aus der Himalaya-Region und Kathmandu und ist dabei bemüht ihnen, über eine geregelte Schulausbildung und Erziehung Zukunftsperspektiven für ein eigenständiges Leben zu geben.

War es in der Anfangszeit die Konzentration auf die Unterbringung von Straßenkindern in Heimen, kamen im Laufe der Zeit Hilfe nach Naturkatastrophen wie dem Erdbeben von 2015 und schließlich ethnische Probleme von Randgruppen wie den der “unberührbaren Kaste” der Musahar-Tagelöhner dazu. Eine wesentliche Rolle spielen seit Beginn die vom Verein nach Nepal vermittelten Praktikanten. Sie stellen einen kaum einschätzbaren Faktor in der Arbeit des Vereins Kinderhilfe Nepal dar, sind sie doch ein erheblicher Teil der Ausführenden der Arbeit, zugleich aber über ihre etwa fünfmonatige Tätigkeit wichtige Kontaktpersonen nach Deutschland, die Bericht abgeben über die Entwicklung vor Ort. Im letzten Jahr waren 14 deutsche Praktikanten in verschiedenen Projekten in Nepal eingesetzt und 2018 zwölf allein in Itahari.

Bildungsprojekt für “unberührbare Kaste”

Ein Hauptaugenmerk des Vereins konzentriert sich seit April 2017 auf die “unberührbare Kaste” der Musahar-Tagelöhner, eine Bevölkerungsgruppe Nepals, die am stärksten marginalisiert und extrem von Bildungs- und Arbeitschancen ausgeschlossen ist. In Itahari, etwa zwölf bis 13 Busstunden östlich von Kathmandu an der indischen Grenze, musste man nach einem Fieldcheck feststellen, dass nur vier Prozent der Kinder und nach dem zehnten Lebensjahr gar keine mehr die Schule besuchen. 93 Prozent der Musahar sind Analphabeten. Als Folge der extrem geringen Bildungsrate werden die meisten Musahar-Mädchen jung verheiratet, nach Indien zur Prostitution verschleppt oder hausen “geduldet” mit den Männern als Taglöhner in Lehmhütten an Straßenrändern.

Seit Mai 2017 arbeitet der Verein Kinderhilfe dort in einem in Nepal einzigartigen Bildungsprojekt und nutzt die vorhandene Organisationsstruktur des SOS Kinderdorfs Itahari. Die Arbeit konzentriert sich auf etwa 100 Familien der niedrigsten Kaste Nepals, der Musahari. Diese haben meisten große Familien und leben mit mehreren Generationen im selben Haushalt. Ein Musahar-Dorf ist fast immer mit Kindern gefüllt. Selten besitzen diese Menschen Land. Um Geld zu verdienen, arbeiten sie als Landarbeiter, Tagelöhner oder Angler. Schulbildung spielt meist eine untergeordnete Rolle und der Wert dieser wird nicht erkannt, so dass viele Eltern nur ihre Kastensprache sprechen, kein Nepali oder Englisch können und viele auch nicht wissen, wie man Geld zählt. Doch da auch in Nepal der Schulabschluss eine wichtige Voraussetzung für eine Berufsausbildung darstellt, setzt hier das Bildungsprojekt an.

Suche nach Praktikanten und Patenschaften

Da das Projekt bisher von Erfolg gekennzeichnet ist, will man es in nächster Zeit auf acht Dörfer ausweiten. Dafür werden weitere Praktikanten gesucht, für die man ab 2019 ein spezielles Vocation-Training anbieten will.

Weiterhin unterstützt man außerdem das Children-Welfare-Center in Kathmandu, wo der Verein 1998 seinen Anfang genommen hat, indem er dort die Versorgung von Straßenkindern initiierte. Stets ist man hier auch auf der Suche nach Sponsoren oder Paten. So wurden 2017 zwei obdachlose Mädchen vermittelt, die Herbert Schneeweis bei einem Besuch in Betrawati entdeckt hatte. Sponsoren übernehmen so, wie auch der Lions Club Cham, jeweils für ein Kind die Heim- und Ausbildungskosten. Der Verein hat so im Zuge von Schulpatenschaften das Schulgeld seit vielen Jahren für vier Kinder übernommen.

Wieder beim Christkindlmarkt auf dem Bogenberg

2018 feiert der Verein Kinderhilfe Nepal Mitterfels sein 20-jähriges Bestehen. Seit 17 Jahren ist man dabei als fester Bestandteil auf dem Christkindlmarkt auf dem Bogenberg vertreten. Darüber hinaus sind die Mitglieder, Sponsoren und Helfer stets bei diversen Aktionen mit Schalverkauf oder Verköstigung auf Märkten oder Festen engagiert im Sinne der Sache zugunsten der Ärmsten in Nepal.

Die Gründer des Vereins Uli und Herbert Schneeweis machen sich Gedanken, wie es weiter gehen soll. Die Projekte müssen auch weiterhin konstant betreut und begutachtet werden. So wünscht sich das Ehepaar Schneeweis, dass aus der inzwischen großen Gruppe an Praktikanten junge Leute hervorgehen, die auf Dauer Verantwortung für die Arbeit mit den Ärmsten im Himalayastaat übernehmen wollen.

Wichtige Tätigkeiten der Praktikanten

Die Aufgaben der Volunteers liegen darin, jeden Morgen zusammen mit den Schulbegleitern durch die Community zu gehen und den Kindern Bescheid zu geben, dass sie sich fertig für die Schule machen sollen. Nachdem die Kinder gegessen, sich gewaschen und sich ihre Schuluniform angezogen hatten, werden sie in die Schule begleitet, wo sie dann bis Schulbeginn mit verschiedenen Spielen und Liedern betreut werden. Eine weitere sehr wichtige Aufgabe ist die Zusammenarbeit mit den “Community Empowering People”.

Zusammen mit diesen arbeiteten die Praktikanten signifikante Themen aus. Das Ziel ist es, den Familien zu vermitteln, was Bildung bedeutet und welche Möglichkeiten und Chancen sich dadurch für die Kinder auftun. Doch auch andere Themen wie Kinderrechte, Ernährung, Erziehung, Hygiene und Familienplanung sind essentiell. Nur durch den ständigen Austausch und die stetige Auseinandersetzung mit solch Thematiken kann eine langfristige Veränderung erreicht werden.

Von großer Bedeutung ist aber das Unterrichten selbst. Die Praktikanten geben zusätzlich jeden Nachmittag Nachhilfestunden in Englisch und Mathematik für die Schüler aus den Musahar-Communities. Zusammen mit nepalesischen Lehrern bereiten die Praktikanten einen kreativen Unterricht vor, was oft in Anbetracht des unterschiedlichen bis sehr geringen Wissensstandes der Kinder eine große Herausforderung darstellt.

Kosten für den Flug und das Visum

Für das etwa fünfmonatige Praktikum fallen allein für den Flug und das Visum Kosten an. Transport und Wohnen sind kostenlos, wobei für die Versorgung in eigener Küche mit höchstens 20 Euro pro Monat zu rechnen ist.

Info

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