Damit Kinder aus niederer Kaste lernen dürfen

Die neu gewählte Vorstandschaft des Vereins „Kinderhilfe Nepal Mitterfels“: Luis Müller aus Bad Kötzting, Ursula Schneeweis, Anna Wenz aus Straubing und Herbert Schneeweis (von links).

„Kinderhilfe Nepal Mitterfels“ sorgt für Unterricht – Luis Müller ist zweiter Vorsitzender

Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins „Kinderhilfe Nepal Mitterfels“ berichtete Vorsitzende Ursula Schneeweis über diverse Aktivitäten des Vereins im abgelaufenen Jahr. Daneben stellte sie aktuelle und zukünftige Projekte vor. Das Hauptprojekt des Vereins konzentriert sich derzeit auf die Unterstützung von Kindern der sogenannten „Musahar“-Volksgemeinschaft in sieben Dörfern nahe der Stadt Itahari im Südosten von Nepal an der indischen Grenze. Das Leben dieser Gesellschaftsgruppe gestaltet sich besonders mühselig, da sie als Angehörige der „Unberührbaren“ in gesellschaftlicher Ausgrenzung leben und ein Ausbruch aus dieser hierarchischen Ordnung fast unmöglich ist. In Zusammenarbeit mit dem SOS-Kinderdorf organisieren die Praktikanten der „Kinderhilfe Nepal Mitterfels“ Nachhilfeunterricht für die Kinder und Jugendlichen sowie eine allgemeine Unterstützung für die benachteiligten Familien. Einer der Praktikanten, Luis Müller, hat bereits fünf intensive Monate in dem Projekt vor Ort gelebt. Nach seinem Einsatz hat er sich entschieden, sich für den Verein weiter zu engagieren und die Vorstandschaft durch die Übernahme einiger Aufgaben zu entlasten. Einstimmig wurde der junge Psychologiestudent auf der Jahreshauptversammlung zum zweiten Vorstand des Vereins gewählt. Da der kleine Verein mittlerweile 40 Praktikanten nach Nepal geschickt und vor Ort betreut hat, die Projekte in ihrer Planung immer komplexer und langfristiger werden, sind die Gründer der „Kinderhilfe Nepal Mitterfels“, Ursula und Herbert Schneeweis, sichtlich froh und stolz, Luis Müller im Vorstandschaftsteam begrüßen zu dürfen.

Kinder sorgen für Familien

Das momentane Hauptprojekt des Vereins in Itahari fokussiert sich auf eine der ärmsten Gesellschaftsgruppen in Südnepal. Ursprünglich aus Nordindien kommend haben die „Musahars“, zu Deutsch „Rattenfänger“, nach einer langen Zeit als Landstreicher Grundbesitz von der Regierung erhalten und sind seither dort sesshaft geworden. Den Angehörigen der Kaste wurden zudem auf Unterstützung der Regierung provisorische Unterkünfte gebaut, eine tatsächliche Eingliederung in die Bevölkerung gestaltet sich jedoch aufgrund ihres gesellschaftlichen niederen Ansehens extrem schwierig. Die Konsequenz sind eine hohe Analphabetenrate, eine hohe Schulabbrecherquote, schlechte hygienische Zustände sowie eine hohe Fertilitätsrate. Dies hat zur Folge, dass viele der Eltern als Tagelöhner in der schnell urbanisierenden Stadt arbeiten und ihre ältesten Kinder zu Hause für die Versorgung der Familie, vor allem der jüngeren Geschwister, zuständig sind und die Arbeit in der Küche und auf dem Feld übernehmen müssen. Der Schulabbruch ist somit vorprogrammiert. Nahezu kein Kind erreicht die fünfte Klasse und ist somit vom Lernprozess der Schulen ausgeschieden. Das Projekt des Vereins verfolgt nun das Ziel, die schulische Bildung sowie die Gesamtsituation der „Musahars“ zu verbessern. Dafür engagiert sich der Verein vor Ort in enger Absprache mit Sozialarbeitern, Nachhilfelehrern sowie sogenannten „School-Guides“, welche die Kinder täglich zum Unterricht bringen, um eine konstante Anwesenheit sicherzustellen. Dabei unterstützen mittlerweile insgesamt 40 Angestellte die über 200 Familien mit ihren 328 Kindern vor Ort.

Bessere Zukunft

Bisher konnte das Projekt schon in seiner Testphase von 18 Monaten enorme Erfolge verbuchen. In zwei Gemeinden bestanden von 46 Kindern 43 den Abschlusstest in der lokalen Schule erfolgreich, ein Ergebnis, welches zuvor undenkbar gewesen wäre. Ebenso sind die Schulbesuche über die 95-Prozent-Marke hinaufgeklettert. Das konkrete Ziel ist jedoch, eine langfristige Änderung in der Kaste zu bewirken, insbesondere ein Bewusstsein über die Wichtigkeit von schulischer Bildung zu schaffen und so den Kindern der „Musahars“ eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Spenden sind möglich an:

Kinderhilfe-Nepal-Mitterfels e.V.,
Sparkasse Straubing-Bogen
IBAN: DE68 7425 0000 0570 2533 10
BIC: BYLADEM1SRG.

Quelle: Straubinger Tagblatt v. 30.09.19

Nach dem Abitur nach Nepal

Praktikanten als Stütze der Kinderhilfe Nepal

Hilfe bei Bildung für Randgruppen

Seit 1998 – also seit 20 Jahren – unterstützt der Verein Kinderhilfe Nepal in Mitterfels kontinuierlich Bedürftige, vor allem Kinder, aus der Himalaya-Region und Kathmandu und ist dabei bemüht ihnen, über eine geregelte Schulausbildung und Erziehung Zukunftsperspektiven für ein eigenständiges Leben zu geben.

War es in der Anfangszeit die Konzentration auf die Unterbringung von Straßenkindern in Heimen, kamen im Laufe der Zeit Hilfe nach Naturkatastrophen wie dem Erdbeben von 2015 und schließlich ethnische Probleme von Randgruppen wie den der “unberührbaren Kaste” der Musahar-Tagelöhner dazu. Eine wesentliche Rolle spielen seit Beginn die vom Verein nach Nepal vermittelten Praktikanten. Sie stellen einen kaum einschätzbaren Faktor in der Arbeit des Vereins Kinderhilfe Nepal dar, sind sie doch ein erheblicher Teil der Ausführenden der Arbeit, zugleich aber über ihre etwa fünfmonatige Tätigkeit wichtige Kontaktpersonen nach Deutschland, die Bericht abgeben über die Entwicklung vor Ort. Im letzten Jahr waren 14 deutsche Praktikanten in verschiedenen Projekten in Nepal eingesetzt und 2018 zwölf allein in Itahari.

Bildungsprojekt für “unberührbare Kaste”

Ein Hauptaugenmerk des Vereins konzentriert sich seit April 2017 auf die “unberührbare Kaste” der Musahar-Tagelöhner, eine Bevölkerungsgruppe Nepals, die am stärksten marginalisiert und extrem von Bildungs- und Arbeitschancen ausgeschlossen ist. In Itahari, etwa zwölf bis 13 Busstunden östlich von Kathmandu an der indischen Grenze, musste man nach einem Fieldcheck feststellen, dass nur vier Prozent der Kinder und nach dem zehnten Lebensjahr gar keine mehr die Schule besuchen. 93 Prozent der Musahar sind Analphabeten. Als Folge der extrem geringen Bildungsrate werden die meisten Musahar-Mädchen jung verheiratet, nach Indien zur Prostitution verschleppt oder hausen “geduldet” mit den Männern als Taglöhner in Lehmhütten an Straßenrändern.

Seit Mai 2017 arbeitet der Verein Kinderhilfe dort in einem in Nepal einzigartigen Bildungsprojekt und nutzt die vorhandene Organisationsstruktur des SOS Kinderdorfs Itahari. Die Arbeit konzentriert sich auf etwa 100 Familien der niedrigsten Kaste Nepals, der Musahari. Diese haben meisten große Familien und leben mit mehreren Generationen im selben Haushalt. Ein Musahar-Dorf ist fast immer mit Kindern gefüllt. Selten besitzen diese Menschen Land. Um Geld zu verdienen, arbeiten sie als Landarbeiter, Tagelöhner oder Angler. Schulbildung spielt meist eine untergeordnete Rolle und der Wert dieser wird nicht erkannt, so dass viele Eltern nur ihre Kastensprache sprechen, kein Nepali oder Englisch können und viele auch nicht wissen, wie man Geld zählt. Doch da auch in Nepal der Schulabschluss eine wichtige Voraussetzung für eine Berufsausbildung darstellt, setzt hier das Bildungsprojekt an.

Suche nach Praktikanten und Patenschaften

Da das Projekt bisher von Erfolg gekennzeichnet ist, will man es in nächster Zeit auf acht Dörfer ausweiten. Dafür werden weitere Praktikanten gesucht, für die man ab 2019 ein spezielles Vocation-Training anbieten will.

Weiterhin unterstützt man außerdem das Children-Welfare-Center in Kathmandu, wo der Verein 1998 seinen Anfang genommen hat, indem er dort die Versorgung von Straßenkindern initiierte. Stets ist man hier auch auf der Suche nach Sponsoren oder Paten. So wurden 2017 zwei obdachlose Mädchen vermittelt, die Herbert Schneeweis bei einem Besuch in Betrawati entdeckt hatte. Sponsoren übernehmen so, wie auch der Lions Club Cham, jeweils für ein Kind die Heim- und Ausbildungskosten. Der Verein hat so im Zuge von Schulpatenschaften das Schulgeld seit vielen Jahren für vier Kinder übernommen.

Wieder beim Christkindlmarkt auf dem Bogenberg

2018 feiert der Verein Kinderhilfe Nepal Mitterfels sein 20-jähriges Bestehen. Seit 17 Jahren ist man dabei als fester Bestandteil auf dem Christkindlmarkt auf dem Bogenberg vertreten. Darüber hinaus sind die Mitglieder, Sponsoren und Helfer stets bei diversen Aktionen mit Schalverkauf oder Verköstigung auf Märkten oder Festen engagiert im Sinne der Sache zugunsten der Ärmsten in Nepal.

Die Gründer des Vereins Uli und Herbert Schneeweis machen sich Gedanken, wie es weiter gehen soll. Die Projekte müssen auch weiterhin konstant betreut und begutachtet werden. So wünscht sich das Ehepaar Schneeweis, dass aus der inzwischen großen Gruppe an Praktikanten junge Leute hervorgehen, die auf Dauer Verantwortung für die Arbeit mit den Ärmsten im Himalayastaat übernehmen wollen.

Wichtige Tätigkeiten der Praktikanten

Die Aufgaben der Volunteers liegen darin, jeden Morgen zusammen mit den Schulbegleitern durch die Community zu gehen und den Kindern Bescheid zu geben, dass sie sich fertig für die Schule machen sollen. Nachdem die Kinder gegessen, sich gewaschen und sich ihre Schuluniform angezogen hatten, werden sie in die Schule begleitet, wo sie dann bis Schulbeginn mit verschiedenen Spielen und Liedern betreut werden. Eine weitere sehr wichtige Aufgabe ist die Zusammenarbeit mit den “Community Empowering People”.

Zusammen mit diesen arbeiteten die Praktikanten signifikante Themen aus. Das Ziel ist es, den Familien zu vermitteln, was Bildung bedeutet und welche Möglichkeiten und Chancen sich dadurch für die Kinder auftun. Doch auch andere Themen wie Kinderrechte, Ernährung, Erziehung, Hygiene und Familienplanung sind essentiell. Nur durch den ständigen Austausch und die stetige Auseinandersetzung mit solch Thematiken kann eine langfristige Veränderung erreicht werden.

Von großer Bedeutung ist aber das Unterrichten selbst. Die Praktikanten geben zusätzlich jeden Nachmittag Nachhilfestunden in Englisch und Mathematik für die Schüler aus den Musahar-Communities. Zusammen mit nepalesischen Lehrern bereiten die Praktikanten einen kreativen Unterricht vor, was oft in Anbetracht des unterschiedlichen bis sehr geringen Wissensstandes der Kinder eine große Herausforderung darstellt.

Kosten für den Flug und das Visum

Für das etwa fünfmonatige Praktikum fallen allein für den Flug und das Visum Kosten an. Transport und Wohnen sind kostenlos, wobei für die Versorgung in eigener Küche mit höchstens 20 Euro pro Monat zu rechnen ist.

Info

Spenden an:
KINDERHILFE-NEPAL-MITTERFELS
Bankverbindung: Sparkasse Straubing-Bogen
IBAN: DE68 742 500 00 0570253310
BIC: BYLADEM1SRG.

Chancen für Kinder in Nepal – Region Amberg

Praktikum

Sofie Gaudermann arbeitete fünf Monate für ein Hilfsprojekt in Nepal – die „lehrreichste und sinnvollste“ Zeit ihres Lebens.

Die vier Praktikanten (von links) Lynn Spinder vom Bodensee, Sofie Gaudermann aus Amberg, Luis Müller aus Bad Kötzting und Luis Pankratius aus Regensburg sowie Herbert Schneeweis, der Betreuer des Kinderheims, mit den Kindern des Erziehungsprojekts Itahari/Nepal. Foto: Gaudermann

Amberg.Nepal – das Dach der Welt!

Bekannt für die höchsten Berge der Erde, atemberaubende Natur und fremde Kultur. Als eine von vier Praktikanten der „Kinderhilfe Nepal Mitterfels e. V.“ lebte und arbeitete Sofie Gaudermann nach ihrem Abitur am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium fast ein halbes Jahr lang dort.
Anders als die meisten Projekte von Hilfsorganisationen ist das Projekt der Kinderhilfe Nepal Mitterfels nicht in einer Bergregion oder in der Hauptstadt Kathmandu angesiedelt, sondern im Terrain – genauer: in Itahari. Die Stadt mit ihren knapp 100 000 Einwohnern liegt im Südosten des Landes an der indischen Grenze. Mit nur 90 Metern über dem Meeresspiegel ein Ort, der von den meisten Touristen eher gemieden wird. Für die ersten vier deutschen Praktikanten vor Ort, zu denen Sofie gehörte, war die Stadt für bis zu fünf Monate Lebensmittelpunkt.
Der Verein „Kinderhilfe Nepal e. V. Mitterfels“ postet immer wieder Bilder auf Facebook:
Dieser Teil des Landes ist stark vom Hinduismus und somit vom Kastenwesen geprägt, das trotz der offiziellen Abschaffung immer noch im Alltag der Menschen präsent ist. Wer einmal im Kreislauf der Armut gefangen ist, dem fällt es schwer, sich wieder zu befreien. Hier setzt das Projekt von „Kinderhilfe Nepal e. V. Mitterfels“ an: Es will bereits den Kindern Zukunftsperspektiven aufzeigen und ihnen eine Chance auf ein besseres Leben geben.

Tagelöhner statt Schüler

Eine Untersuchung in Zusammenarbeit mit einer nepalesischen Organisation im Jahr 2016 zeigte, dass in den Gemeinden der Mushara-Kaste, einer der ärmsten in Nepal, ein erheblicher Mangel an Schulbildung ein großes Problem darstellt. Kein Schüler war über die 5. Klasse hinaus in der Schule – stattdessen hatten die Kinder mit den Eltern als Tagelöhner zur Arbeit zu gehen. Im Mai 2017 wurde ein bislang in Nepal einzigartiges Pilotprojekt ins Leben gerufen. Die Arbeit konzentriert sich auf zwei kleine Dörfer der „Mushara“-Kaste. Schulbildung spielte dort meist eine untergeordnete Rolle, da ihr Wert nicht erkannt wird. Von Beginn an konnten sich junge nepalesische Erwachsene für den Job als Lehrer begeistern und geben bis heute jeden Abend Nachhilfestunden für die Kinder der Musharas, um sie in Nepali, Englisch und Mathe zu fördern. Insgesamt handelt es sich dabei um knapp 100 Kinder im Alter von vier bis 15 Jahren.
Aller Anfang ist schwer, doch spielerische Elemente vereinfachten den Kontakt zu den Schülern. Die Stunden, die von den Praktikanten gehalten wurden, wurden bzw. werden fleißig besucht. Die Schule dagegen wurde anfangs nur sehr sporadisch besucht. Nächstes Ziel war es also, auch dort die Anwesenheit zu erhöhen, um die Aussichten auf einen Schulabschluss zu verbessern. Alle Mitarbeiter der Kinderhilfe entwickelten deshalb ein „Schulbegleitsystem“, durch das die Anwesenheit der Kinder sichergestellt werden soll. Kinder werden in ihren Dörfern eingesammelt, ihr Erscheinungsbild wird überprüft und danach werden sie geschlossen zur Schule begleitet.
Der Verein kümmert sich um die Bildung und Betreuung von Kindern:
Doch ohne die Überzeugung und Zusammenarbeit mit den Eltern ist es schwer, etwas zu erreichen. Somit ist der Kontakt zu ihnen eine weitere wichtige Komponente. Die Bedeutung von Bildung zu vermitteln und Perspektiven aufzuzeigen ist deshalb eine weitere wichtige Aufgabe der Angestellten des Mitterfelser Projekts. Speziell Frauen haben einen großen Einfluss auf die Familie, weshalb die Themengebiete, die mit den Eltern besprochen wurden, auch auf Familienplanung und Selbstschutz ausgeweitet wurden.

Um die Ziele zu erreichen, ist die Zusammenarbeit mit den nepalesischen Mitarbeitern bzw. mit der Partnerorganisation eine grundlegende Voraussetzung: Sie beherrschen die Sprache und kennen die Kultur – auch heikle Punkte, die besonderer Rücksicht bedürfen. Neben den Englischnachhilfestunden ist der Kontakt zu den Nepalis eine der wichtigsten Aufgaben der Praktikanten. Gemeinsame Wochenplanung, Berichterstattung über Erfahrungen, Ideenfindung und der Austausch prägten den Alltag der vier Praktikanten Lynn Spinder vom Bodensee, Sofie Gaudermann aus Amberg, Luis Müller aus Bad Kötzting und Luis Pankratius aus Regensburg – neben der Führung eines eigenen Haushaltes in einem fremden Land.
Aus Fremden wurden Freunde. Und dabei durfte auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Man feierte (auch zusammen mit den Kindern) Feiertage, lachte und tanzte und tauchte vollkommen in die Kultur vor Ort ein.

Gemeinschaft beim Streichen

Eine Aktion, die das Gemeinschaftsgefühl stärkte, war das Streichen eines Klassenzimmers. Ob Kinder, Lehrer, Praktikanten oder gar einige Eltern: Alle halfen zusammen, um das vorher traurig graue Zimmer in ein farbenfrohes und einladendes Klassenzimmer zu verwandeln. In diesen Stunden gemeinsamer Arbeit, so empfand es Sofie, „steckte jeder Beteiligte ein buntes Stückchen seines Selbst in den Raum“. Darüber hinaus besuchten die Schüler nach der Aktion noch lieber die abendlichen Nachhilfestunden. Die Stunden und Aktionen der Praktikanten kamen bei den Kindern im Alter von vier bis 15 Jahren immer besonders gut an. Foto: Gaudermann
Sofie Gaudermann hat die aufrichtige Dankbarkeit von allen Seiten bei ihrer Verabschiedung als „abschließenden Lohn“ empfunden: „Ein Bildungsprojekt mit aufzubauen, eigene Ideen einzubringen, ungeahnte Probleme zu lösen in einer vorher so fremden Kultur, die zur Heimat wurde – das erlebt man nicht alle Tage.“
Sofie liegt die Organisation so am Herzen, dass sie auf viele Unterstützer aus der Region hofft:

Spendenkonto:
Kinderhilfe-Nepal-Mitterfels,
IBAN:DE 68 7425 0000 0570 2533 10
BIC: BYLADEM1SRG.

Wer sich als Praktikant bewerben möchte, kann dies unter der Adresse tun:

Kinderhilfe Nepal e. V. Mitterfels,
Weingarten 11
94360 Mitterfels

Quelle: https://www.mittelbayerische.de

Nach dem Abi zum Bildungsprojekt

Nepal: Das Dach der Welt.

Bekannt für die höchsten Berge, atemberaubende Natur und fremde Kultur. Als Praktikantin der Kinderhilfe Nepal Mitterfels lebt und arbeitet Sofie Gaudermann nach ihrem Abitur fast ein halbes Jahr lang dort.

Die Zeit hat sie und ihre drei Mitpraktikanten aus Deutschland sehr geprägt. “Diese Monate mit allen Höhen und Tiefen waren bisher die lehrreichsten und sinnvollsten in meinem Leben”, sagte die ehemalige Schülerin des Dr. Johanna-Decker-Gymnasiums. Anders als die meisten Projekte von Hilfsorganisationen ist das der Kinderhilfe Nepal Mitterfels nicht in einer Bergregion oder in der Hauptstadt Kathmandu angesiedelt, sondern im Terrain, genauer in Itahari. Die Stadt liegt mit ihren knapp 100 000 Einwohnern im Südosten des Landes an der indischen Grenze. Mit nur 90 Metern über dem Meeresspiegel ein Ort, der von den meisten Touristen gemieden wird.

Gefangen in Armut

Dieser Teil des Landes ist stark vom Hinduismus und vom Kastenwesen geprägt, das trotz der offiziellen Abschaffung immer noch im Alltag der Menschen präsent ist. Wer einmal im Kreislauf der Armut gefangen ist, dem fällt es schwer, sich wieder zu befreien. Hier setzt das Projekt von Kinderhilfe Nepal Mitterfels an: Den Kindern Zukunftsperspektiven aufzeigen, um ihnen eine Chance auf ein besseres Leben zu geben. Zusammen mit einer nepalesischen Organisation untersuchte der Verein 2016 die Schulstruktur der Mushara-Gemeinden. Dabei stellten sie einen erheblichen Mangel an Schulbildung fest: Kein Schüler war über die fünfte Klasse hinaus in der Schule. Stattdessen mussten die Kinder mit den Eltern als Tagelöhner arbeiten. Im Mai 2017 entstand ein bislang einzigartiges Pilotprojekt. Die Arbeit konzentriert sich auf zwei kleine Dörfer der Mushara-Kaste, eine der Ärmsten in Nepal. Schulbildung spielt dort eine eher untergeordnete Rolle. Von Beginn an konnten sich junge Nepalesen für den Lehrerberuf begeistern und geben bis heute jeden Abend Nachhilfestunden für die Kinder der Musharas, um sie in Nepali, Englisch und Mathe zu fördern.

Insgesamt handelt es sich dabei um knapp 100 unterstützungsbedürftige Kinder im Alter von vier bis 15 Jahren. Das Lehrangebot nahmen die Schüler gut an. Der nächste Schritt war, in der eigentlichen Bildungseinrichtung die Anwesenheit zu erhöhen. Zusammen mit allen Mitarbeitern wurde deshalb ein Schulbegleitsystem entwickelt, mit dem die Anwesenheit der Kinder sichergestellt wird.

Eltern überzeugen

Die Jungen und Mädchen werden in ihren Dörfern abgeholt und ihr Erscheinungsbild überprüft. Danach werden sie zur Schule begleitet. Ohne die Zusammenarbeit mit den Eltern wäre es schwierig, etwas zu erreichen. Eine Aufgabe der Angestellten des Mitterfelser Projekts ist es, ihnen zu vermitteln, was Bildung bedeutet und welche Möglichkeiten sich dadurch für die Kinder auftun. Speziell Frauen haben einen großen Einfluss in der Familie, weshalb es auch um Familienplanung und Selbstschutz ging.

Die Zusammenarbeit mit den nepalesischen Mitarbeitern beziehungsweise mit der Partnerorganisation ist eine grundlegende Voraussetzung. Sie beherrschen die Sprache und kennen die Kultur. Neben dem Vorbereiten und Halten der Englischnachhilfestunden ist der Kontakt zu den Nepalis eine der wichtigsten Aufgaben der Praktikanten. Gemeinsame Wochenplanung, Berichterstattung über Erfahrungen, Ideenfindung und der Austausch der Kulturen prägten den Alltag der vier jungen Leute – neben der Führung eines eigenen Haushalts in einem fremden Land. Die Praktikanten lebten sich gut ein und bald wurden aus Fremden Freunde. Der Spaß kam neben der Arbeit nicht zu kurz. Die jungen Deutschen feierten zusammen mit den Kindern an Feiertagen und ließen sich auf die Kultur ein.

Nach deutschem Vorbild

Die Nachwuchs-Lehrer ließen sich einiges einfallen, um Abwechslung zu schaffen, und etwas von der deutschen Arbeitsweise weiterzugeben. Zum Beispiel durften in einer Englischstunde ein Teil der Schüler zu Lehrern werden. Die sehr guten Schüler, die bereits lesen konnten, bildeten Teams mit einem Leseschwachen. In jeder Gruppe entstand eine unwahrscheinliche Willenskraft. Am Ende konnte jeder den Text lesen.

Bunt wurde es bei einer anderen Aktion. Kinder, Lehrer, Praktikanten und einige Eltern packten gemeinsam an, um das triste, graue Klassenzimmer in einen fröhlichen, farbenfrohen Raum zu verwandeln. In diesen Stunden gemeinsamer Arbeit “steckte jeder Beteiligte ein buntes Stückchen seines Selbst in den Raum”, sagt Sofie.

Am Ende des Aufenthalts war die aufrichtige Dankbarkeit von allen Seiten für Sofia Lohn genug. “Ein Bildungsprojekt mit aufzubauen, eigene Ideen einzubringen, ungeahnte Probleme zu lösen in einer vorher so fremden Kultur, die zur Heimat wurde – das erlebt man nicht alle Tage.”

 

Praktikantin Sofie, die nach dem Abitur für fünf Monate Kinder in Nepal betreut.

Praktikantin Sofie, die nach dem Abitur für fünf Monate Kinder in Nepal betreut.

Quelle: https://www.onetz.de

Zeitungsbericht zum Bildungsprojekt Itahari vom 31. Mai 2018

Zeitungsartikel als PDF Datei: Itahari Zeitungsbericht, 31. Mai 2018

 

Zeitungsartikel zu den Projekten in Betrawati und Itahari, 09.01.2018

Bericht als PDF: 2018-01-09_Bogener_Zeitung_Seite_13

Bildung für nepalesische Kinder

Bericht über meinen Besuch April 2017 in Nepal

Far Far West: 3 Praktikantinnen der Kinderhilfe Nepal e.V. Mitterfels erkundeten die abgelegenste Region Nepals